Bis morgen

Komm, wir fahren Rad, sagtest du.

Aber das kann ich doch noch nicht, sagte ich, fünfjährig.

Bis morgen kannst du es, sagtest du augenzwinkernd

Und nahmst mich bei der Hand.

Hast du deine Hausaufgaben gemacht, fragtest du am Samstag Abend.

Noch nicht, antwortete ich kleinlaut.

Dann bis morgen aber, sagtest du mahnend und milde zugleich.

Ich muss nun gehen, sagtest du.

Aber ich will nicht, dass du gehst, jammerte ich und klammerte mich an dein Hosenbein.

Bis morgen, wir sehen uns doch morgen wieder,

Lächeltest du und strichst mir über meine Haare.

Sieh mal, ich baue dir und deinen Geschwistern ein Baumhaus.

Oh, wie toll! Danke! Wann wirst du fertig sein?

Bis morgen, lächeltest du stolz.

Mir gehts heute nicht so gut. Ich war auch schon beim Arzt.

Ruh dich aus! Kann ich was für dich tun? Wann weißt du, was es sein kann?

Bis morgen, murmeltest du leise.

Ich kam zu dir und du fragtest mich,

Wie lange, ich fort gehen würde.

Nur bis morgen, sagte ich, drückte deine Hand und wartete, bis ich deinen Druck in meiner Hand spürte.

Die Morgende kamen, deine Kraft ging.

Ich sah dich an, schluckte, presste die Lippen aufeinander.

Ich nahm deine Hand und flüsterte: „bis morgen“

Und wusste gleichzeitig,

Dass es für dich kein Morgen geben würde

Und für mich keinen Morgen mehr mit dir.

Die folgende Nacht ging nie zuende.

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