Sehnsucht

Stille Sehnsucht, unermüdliche Hoffnung und illusionäre Träume, tags wie nachts, offen und heimlich, im Bewusstsein und unterbewusst, ausgesprochen und verschwiegen, nachvollziehbar, aber sich nicht erlaubend, traurig, aber nicht trauernd, hoffend, aber nicht daran glaubend.

Schon so lange und jeden Tag aufs Neue, eigentlich schon immer und vermutlich genauso lang zukünftig.

Es besser wissend, aber jedes Mal aufs Neue nochmal mühselig lernend, müde aushaltend, immer noch wartend, Hoffnung schöpfend, Glauben auflodernd, Kraft mobilisierend, sich bemühen, alles gewesene vergessen, den Augenblick nutzend, die Chance ergreifend, die Möglichkeit sehend nochmal vertrauen, nochmal sich öffnen, auf ein Neues den ersten Schritt gehen, die Reaktion bangend erwartet, hoffend ersehnt, flehentliche Gebete des Agnostikers an die höhere Macht, dass doch nur diesmal, dieses eine Mal, alles anders ist, damit alles andere vergessen und dass damit alles anders sein wird.

Die Sehnsucht wird laut. Schrill kreischend, ohrenbetäubend, Glas zerberstend, Saiten vibrierend.

Wach werden. Den Traum loslassend, den schon so alten Schlafsand aus den Augen reibend aufstehen, rausgehen. Die Sonne geht auf und mit ihr das Licht. Es wird nicht sein. Es wird nicht ungeschehen sein. Es wird nicht werden.

Traurig sein und dazu noch trauern. Um alles, was hätte sein können, aber nicht ist, nicht gewesen ist und nicht sein wird.

Loslassen, durch- und aufatmen, es ist vorbei. Augen auf. Das Licht blendet nicht, es wärmt.

Lichtdurchflutet in der alten Wohnung, die staubigen Sachen liegen lassend, alles muss weg und ich raus. Aus dem nie gelebten Traum ins traumhafte Leben, selbstbestimmt, autonom und unabhängig. Mit Licht, das wärmt, Glauben an das Neue, das Kraft schenkt. Mit Hoffnung, die trägt, die sich anders anfühlt, weil der Traum nun so viel mehr in eigener Hand liegt. Mit geliebten und liebenden Menschen, mit Konstanz in der Interaktion in einer von Wandel und stetiger Veränderung geprägten Welt lässt es sich besser ertragen seines Glückes eigener Schmied zu sein als ausgesetzt den willkürlichen Schwankungen und Launen, den Phasen und Stimmungen, den Anwandlungen und alles zerstörenden Urteilen, in denen zu guter letzt doch die Unfreiheit, das lähmende Urteil, das zerstörende Urteil immer gleich gesprochen wurde und fiel und dabei nie eine Chance der Partizipationen, Mitwirkung, Teilhabe in der eigentlich doch so demokratischen Welt möglich gewesen wäre, um sich gegen die Klauen der diktatorischen Urteile zu entziehen.

Zeit für eine Rebellion.

Aufgewacht. Schlafsand aus den Augen. Licht im Zimmer. Alles raus, ich weg. Raus aus der Diktatur der Urteile, hin zu selbst gebildeter Meinung, zur Freiheit, die man nie hatte, Offenheit, die einem nie entgegen gebracht wurde und Liebe, die an dem Ort, wo ich bisher immer suchte, nie fand, nun aber weiß, wo ich sie finden kann und werde.

Aus der Freiheit, Offenheit und Liebe wird der Traum lebendig werden. Durch mich selbst und andere. Ich hoffe darauf und glaube daran.

Die Sehnsucht danach treibt mich an, nun mit Vorfreude, glühenden Wangen und Funkeln in den Augen.

Ich werde sein. Ich war es schon immer, war nur nie gesehen und ich werde weiter immer mehr mich sehen und ich werden.

2 Kommentare zu „Sehnsucht

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